Lysefjord

Endlich war es soweit! Norwegen hat seine Grenzen für Touristen Mitte Juli 2020 wieder geöffnet. Ich entschied mich deshalb meine lang geplante Radtour durch Norwegen in die Tat umzusetzen. Anfang August ging es dann los. Für die Anreise nach Norwegen bin ich mit der Fähre der Rederei Fjord Line von Hirtshals in Dänemark nach Stavanger (Lysefjord und Region Ryfylke) gefahren.

Bei der Buchung der Fähre empfiehlt es sich möglichst früh zu buchen, da man so einiges an Geld sparen kann. Wenn man die Fahrt auf der norwegischen Website von Fjord Line bucht, ist es zudem nochmals günstiger als auf der deutschen Website. Die Überfahrt dauerte ca. 11 Stunden. Bei der Überfahrt besteht Kabinenpflicht, da die Fahrt über Nacht erfolgt.

Früh Morgens bin ich dann in Stavanger angekommen. Der Hafen von Stavanger ist etwa 15 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Ein Radweg vom Hafen zum Stadtzentrum ist fast durchgehend vorhanden und gut ausgeschildert. Eine gute Übersicht der Nationalen Radwege in Norwegen findet man auf der Seite von Visit Norway. Allerdings sollte einem bewusst sein, dass die Nationalen Radwege in Norwegen oft auf der Straße verlaufen und man sich diese mit allen anderen Verkehrsteilnehmern teilt.

Auf dem Weg nach Stavanger kommt man an einer Skulptur mit drei großen Schwertern vorbei, wo sich ein kurzer Abstecher lohnt. In Stavanger habe ich einen Spaziergang in der Altstadt gemacht. Hier gibt es einige schöne Staßen mit vielen bunten Häuschen. Besonders zu empfehlen ist die Straße „Fargegaten“. Hier kann man sich gemütlich in ein Café sitzen und das Flair der Altstadt genießen.

Nach einem kurzen Aufenthalt in Stavanger ging es mit meinem Drahtesel auf dem Nationalen Radweg 2 in Richtung Lysefjord weiter. Der Lysefjord ist 42 km lang und an der tiefsten Stelle knapp 500 Meter tief. Zu den bekanntesten Naturdenkmälern des Fjords gehören das Felsplateau Preikestolen und der majestätische Berg Kjerag. Die höchsten Berggipfel rund um den Lysefjord erreichen eine Höhe von ca. 1000 Metern.

Ich entschloss mich zu einer Fährüberfahrt auf dem Lysefjord. Die Fahrt von Lauvikk über Forsand nach Lysebotn dauert etwa zweieinhalb Stunden und ist sehr zu empfehlen. Die Fähre kann man entweder Online im Voraus oder direkt an Bord buchen. Auf der Fähre traf ich eine deutsche Familie die vor einigen Jahren nach Norwegen ausgewandert ist und auf einer Radtour von Stavanger nach Oslo unterwegs war. Es war ein sehr interessantes Gespräch und ich habe einige tolle Tipps für meine Radtour bekommen.

In dem Örtchen Lysebotn habe ich meine erste Nacht in Norwegen verbracht. Es gibt hier einen schönen Campingplatz direkt am Ufer mit einem spektakulären Fjordblick. Am nächsten Morgen stand der erste Konditionstest meiner Radtour an. Auf der Lysevegen erklimmt man die ersten 860 Höhenmeter auf gerade einmal 8,3 Kilometern. Dies entspricht einer durchschnittlichen Steigung von mehr als zehn Prozent. Damit kann die Lysevegen auch mit den schwierigsten Alpenpässen mithalten. Diese Passstraße ist bis heute eine der spektakulärsten weltweit. Über 27 Haarnadelkurven erklimmt man die 640 Höhenmeter bis zum Aussichtsrestaurant Oygardsstol.

Dort beginnt am Parkplatz die Wanderung zum Kjerag. Es empfiehlt sich früh loszugehen, da diese Wanderung in Norwegen sehr beliebt und entsprechend frequentiert ist. Die Wanderung zum Kjerag dauert insgesamt ca. sechs Stunden. Die Strecke ist rund 11 Kilometer lang. An einigen Stellen muss man sich mithilfe von Stahlseilen hochziehen oder hinunterrutschen. Der Blick auf den Kjerag Bolten und ins Fjord ist dafür atemberaubend und absolut lohnenswert.

Nach einem anstrengenden Tag mit vielen Höhenmetern habe ich eine weitere Nacht auf dem Campingplatz in Lysebotn verbracht und bin am nächsten Morgen mit der Fähre auf dem Lysefjord zurück nach Forsand gefahren. Mein nächstes Ziel war das Felsplateau Preikestolen. Die Strecke verlief an ruhigen Küstenstraßen entlang. Die Fahrt von Forsand in Richtung Preikestolen führte über Teile der Landschaftsroute Ryfylke. Diese verläuft zu großen Teilen auf der Straße 13.

In Norwegen gibt es insgesamt 18 Landschaftsrouten. Es handelt sich hierbei um landschaftlich sehr schöne und empfehlenswerte Touristenrouten mit vielen Sehenswürdigkeiten. Eine Übersicht mit den Streckendaten und Bildern findet man auf der Seite von Nasjonale turistveger.

Einige Kilometer vor dem Wanderparkplatz des Preikestolen gibt es einen großen Campingplatz. Der Campingplatz ist allerdings touristisch sehr überlaufen und auch entsprechend teuer. Zudem ist es hier tagsüber sehr laut, da der Helikopterlandeplatz für die Rundflüge zum Preikestolen gleich daneben ist. Der Preikestolen ragt 604 Meter über den Lysefjord. Der Aufstieg gehört zu den beliebtesten Wanderungen Norwegens. Die Wanderung zum Preikestolen dauert insgesamt vier Stunden. Die gesamte Strecke ist ca. 9 Kilometer lang. Auf der Tour überwinden man einen Höhenunterschied von rund 500 Metern. Der Blick über den Lysefjord ist einfach nur schön.

Nach der Wanderung zum Preikestolen habe ich meine Tour auf der Landschaftsroute Ryfylke bis nach Hjelmeland fortgesetzt. Unterwegs gab es ein paar längere Tunnel, die für Radfahrer verboten sind. Es gab jedoch entsprechende Ausweichmöglichkeiten auf den alten Straßen um die Tunnels herum. Die Aussicht war hier allemal schöner als in einer schwarzen Röhre. In Norwegen gibt es über 1000 Straßentunnel. Viele dieser Tunnel sind für Radfahrer verboten. Man muss seine Tour also entsprechend planen. Eine tolle Übersicht zu den Tunnels und der Befahrbarkeit für Radfahrer gibt es auf der Website von Cycletourer.

Da auf der Route 13 der Autoverkehr merklich zugenommen hat, habe ich meine ursprünglich Route in Richtung Hardangerfjord umgeplant. In Hjelmeland habe ich die Fähre in Richtung einiger ruhiger Inseln (Ombo,Helgoy und Nedstrand) entlang der Nordseeküste genommen. Die kleineren Fähren in Norwegen sind für Radfahrer meist kostenlos. Eine gute Übersicht über die Fahrpläne der Fähren und über die Abfahrtszeiten findet man unter anderem auf der Seite von Fjord1.

Die Route über die Insel Ombo in Richtung Nedstrand war eindeutig die richtige Entscheidung gewesen. Hier hat man auf der Straße fast nur Schafe als Gegenverkehr angetroffen. Meine Tour von Nedstrand nach Haugesund verlief weiterhin über ruhige Sträßchen an der Küste entlang. Auf einem Campingplatz in Sandvik habe ich eine nette norwegische Familie kennengelernt. Ich wurde zum Grillen eingeladen und wir verbrachten einen schönen gemeinsamen Abend miteinander. Von der Stadt Haugasund ging die Fahrt auf dem Nationalen Radweg 1 nach Leirvik weiter. Von dort bin ich dann mit dem Schnellboot weiter nach Sunde gefahren.

Wie es danach weiterging, erfährst du in meinem nächsten Artikel zum Hardangerfjord.