Thorsmörk

Nach einem Ruhetag in Höfn beschloss ich mit dem Bus an der Südküste nach Hella zurückzufahren. Ich wollte als nächstes nach Thorsmörk und Landmannalaugar. Das nach dem nordischen Gott Thor benannte Naturschutzgebiet Thorsmörk ist mit seinen fantastischen Landschaften ein echtes Paradies für Wanderer. Bei langen Reisen ist mir Abwechslung sehr wichtig. Ich kombiniere meine Radtouren gerne mit Wanderungen und Sightseeing.

Abends kam ich nach einer mehrstündigen Busfahrt schließlich in Hella an. Ich ging in den örtlichen Supermarkt, um mich mit Lebensmittel für die nächsten Tage einzudecken. In Thorsmörk gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten. Im Supermarkt traf ich zufällig Frank aus Rommelshausen wieder. Ich hatte ihn bereits vor einigen Wochen am Mývatn kennengelernt. Er war bereits seit zwei Monaten auf Radtour durch Island. Frank schloss sich mir spontan an.

Nach einer Übernachtung auf dem örtlichen Campingplatz in Hella fuhren wir am nächsten Tag auf der Ringstraße und auf der Hochlandpiste F249. Die Hochlandpiste F249 bestand hauptsächlich aus Wellblechpiste und vielen Steinen. Auf dem Weg passierten wir ca. 15 Furten. Die meisten davon waren klein und einfach zu durchfahren. Die letzten beiden Furten waren sehr tief. Diese kann man nur mit einem guten 4×4 Jeep, Hochlandbus oder auf einer mobilen Fußgängerbrücke queren. Die gefährliche Strömung der Krossá sollte man keinesfalls unterschätzen. Nachmittags kamen wir schließlich in Thorsmörk an.

Es gibt vor Ort drei Campingplätze (Húsadalur, Langidalur und Basar). Wir entschieden uns für den zentral liegenden Campingplatz Langidalur. Es gibt dort auch eine Wanderhütte zum übernachten. Es war einer der schönsten Campingspots meiner Reise. Das Wetter war an diesem Tag mal wieder traumhaft. Ich hatte an der Südküste in den beiden Wochen zuvor bereits riesiges Glück mit dem Wetter gehabt. Die Südküste in Island ist eigentlich für ihr wechselhaftes und eher regnerisches Wetter bekannt.

Nachdem wir unsere Zelte aufgebaut hatten, unternahmen wir eine kürzere Wanderung zum Aussichtspunkt Valahnúkur. Die Wanderung beginnt direkt an den Hütten von Langidalur. Der Weg ist gut beschildert. Er führt bergauf durch einen lichten Birkenbestand. Den Gipfel auf 450 Metern erreicht man nach ca. 1 Stunde. Der Blick über das Flusstal der Krossá und der umgebenden Gletscher Eyjafjallajökull und Tindfjallajökull sucht seinesgleichen.

Der Eyjafjallajökull ist zuletzt im Jahr 2010 ausgebrochen. Eyjafjallajökull ist sowohl der Name des Gletschers als auch des Vulkan-Systems, dass von diesem Gletscher bedeckt ist. Der Ausbruch des Eyjafjallajökull hatte über Island hinaus großräumige Auswirkungen. Insbesondere musste im April 2010 auf Grund der ausgetretenen Vulkanasche der Flugverkehr in weiten Teilen Europas eingestellt werden.

Am nächsten Tag stand eine weitere Wanderung auf dem Programm. Die Tindfjöll- Umrundung ist eine empfehlenswerte Tageswanderung in Þórsmörk. Sie verläuft auf einem kleinen Stück entlang des Laugavegur. Die Tindfjöll Wanderung ist ca. 13 km lang und man überwindet dabei ca. 350 Höhenmeter. Wir haben ca. 4- 5 Stunden für die Wanderung benötigt. Leider war es an dem Tag ziemlich neblig. Insofern war die Aussicht am höchsten Punkt der Wanderung nicht so gut wie an schönen Tagen.

Nach einer weiteren Übernachtung auf dem Campingplatz Langidalur wanderte ich mit Frank am nächsten Tag entlang eines Flusstals. Die Aussicht war wieder bombastisch. Das Flusstal könnte eine Filmkulisse von dem Film „Herr der Ringe“ sein.

Weitere sehr empfehlenswerte Tageswanderungen in Thorsmörk sind die Wanderungen zur Schlucht Stakkholtsgjá und über den Bergkamm Útigönguhöfði.

Abends ging es im Hochlandbus zurück nach Hella. Am darauf folgenden Tag verabschiedete ich mich von Frank. Er fuhr weiter Richtung Reykjavik zum Flughafen.

Ich entspannte mich nach dem Frühstück in Hella im örtlichen Hot-Pot des Schwimmbads und plante meinen weitere Route. Da für die von mir ursprünglich geplante nächste Region „Landmannalaugar“ mehrtägige Regenschauer angesagt waren, entschloss ich mich für eine andere Fahrtrichtung. In Island sollte man seine Radtour nach Möglichkeit immer an die Wetterlage anpassen und möglichst flexibel sein.

Mein nächstes Ziel war der Vulkan Fagradalsfjall auf der Halbinsel Reykjanes. Mehr dazu erfährst du in meinem nächsten Blogbeitrag.