Ostfjorde – Island 2021 (Teil XI)

Ostfjorde – Island 2021 (Teil XI)

Ostfjorde

Nach meiner Ankunft in der Nähe von Möðrudal radelte ich auf der Ringstraße weiter Richtung Skjöldólfsstaðir. Kurz vor Skjöldólfsstaðir bog ich auf die Str. 923 und auf den Jökuldalsvegur Richtung Stuðlagil Canyon ab. Der Stuðlagil ist ein bekanntes Fotomotiv in Island. Es handelt sich um einen Canyon mit Basaltsäulen. Der Weg führt ca. 15 Kilometer über eine Wellblechpiste. Um den Canyon zu besuchen, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder man kommt vom Osten, oder vom Westen zum Stuðlagil. Im Osten kann man direkt bis zu einer Aussichtsplattform fahren. Im Westen kommt man nur über einen Wanderweg zu dem Canyon. Der Wanderweg ist ca. 2 km lang. Nach der Wanderung zum Stuðlagil Canyon fuhr ich den gleichen Weg zurück und schlug mein Zelt am Campingplatz in Skjöldólfsstaðir auf.
Am nächsten Tag setzte ich meine Fahrt auf der Ringstraße nach Egilsstaðir fort. Kurz vor Egilsstaðir erreichte in den See Lagarfljót. Egilsstaðir ist die größte Stadt im Osten Islands. Nach einer ausgiebigen Mittagspause fuhr ich auf der Ringstraße weiter Richtung Reyðarfjörður. Der Weg führte über einen Berg mit mehreren hundert Höhenmetern. In Reyðarfjörður gibt es einen kleinen Campingplatz, auf dem ich übernachtete.
Die Infrastruktur in den Ostfjorden ist sehr dünn. Es gibt nur wenige Einkaufs- und Übernachtungsmöglichkeiten. Ich deckte mich am nächsten Mittag deshalb im örtlichen Supermarkt für die nächsten Tage mit Lebensmittel ein. An dem Tag fuhr ich aufgrund des starken Gegenwinds nur eine kürzere Etappe nach Stöðvarfjörður. Unterwegs traf ich Matthew aus den USA. Er war bereits seit einem Jahr auf Fahrradweltreise.
Der nächste Tag war ziemlich verregnet. Eigentlich bin ich überhaupt kein Fan von Radfahren im Regen. Allerdings hatte ich nur noch wenige Tage Urlaub und wollte die Ostfjorde komplett durchfahren. In voller Regenmontur radelte ich auf der Ringstraße weiter und wurde ordentlich durchnässt. Auf dem Weg gab es ein gutes Restaurant mit einem reichhaltigen Mittagsbuffet, in dem ich mich aufwärmen und stärken konnte. Nachmittags erreichte ich etwas Abseits von der Ringstraße den Campingplatz in Fossardalur. Ich wunderte mich, dass ich unterwegs gar keine Schafe mehr gesehen habe. Ein völlig untypisches Bild für Island. Die Besitzerin des Campingplatz erklärte mir, dass Sie gerade dabei sind, die Schafe zusammenzutreiben. Je nach Gebiet dauert das Suchen und Zusammentreiben ein bis drei Tage.
Nachdem ich am nächsten Tag lange ausgeschlafen hatte, fuhr ich weiter nach Djúpivogur. Nach einer Mittagspause in dem kleinen Städtchen radelte ich etwas außerhalb von Djúpivogur zu einem schönen Hot- Pot mit Blick auf raue, offene Meer. Ich genoss das warme wohltuende Wasser und unterhielt mich mit ein paar anderen Reisenden. Abends suchte ich mir in der freien Natur einen Campingspot.
Nach einer entspannten Nachtruhe fuhr ich weiter nach Stokksnes. Von der Ringstraße führt kurz vor dem Vestrahorn eine kleine Straße zu einem Leuchtturm. Die Aussicht entlang des Weges war traumhaft. Beim Leuchtturm von Stokksnes gibt es eine gigantische Dünenlandschaft mit einem schönen schwarzen Sandstrand und dem Berg Vestrahorn im Hintergrund zu bestaunen. Es handelt sich um einer der fotogensten Berge der gesamten Insel. Außerdem gibt es am Vestrahorn eine Filmkulisse zum besichtigen. Es handelt sich um den Nachbau eines Dorfes der Wikinger.
Nach einem längeren Aufenthalt am Vestrahorn fuhr ich Abends noch einige Kilometer nach Höfn. Dort baute ich auf dem bereits vor einigen Wochen besuchten Campingplatz mein Zelt auf. Seit zwei Wochen checkte ich nun bereits täglich die Wetterapp von Vedur bzgl. der Nordlichter. Bisher hatte ich leider kein Glück mit der Sichtung dieses spektakulären Naturereignisses in Island gehabt. Ich hatte bereits einige Reisende getroffen, die in den vergangenen Tagen die Nordlichter erleben durften. Um die Nordlichter sehen zu können, muss der Himmel dunkel und frei von Wolken sein. An diesem Abend sollte es laut der Nordlichtervorhersage für Höfn eine mittlere Aktivität geben. Und tatsächlich – um ein Uhr Nachts zeigte sich Lady Aurora leuchtend und tanzend in grünen Farben am Nachthimmel. Ein sehr faszinierender Anblick!
Nach einem weiteren Tag in Höfn fuhr ich am nächsten Tag mit dem Bus von Höfn zu dem Hotel nach Reykjanesbaer zurück, wo vor 9 Wochen meine Reise begann. Dort zerlegte ich mein Rad und meine Ausrüstung und verpackte Sie in die dort zwischengelagerten Kartons. Meine Islandreise neigte sich dem Ende zu. Am nächsten Morgen fuhr ich mit einem Großraumtaxi zum nahe gelegenen Flughafen nach Keflavik und checkte mein Gepäck ein. Mein Rückflug nach Frankfurt startete erst in ein paar Stunden.
Ich lies die Erlebnisse der letzten Wochen Revue passieren. Was für eine schönes und eindrucksvolles Land! Und was für eine unvergessliche Reise!
Westfjorde – Island 2021 (Teil X)

Westfjorde – Island 2021 (Teil X)

Westfjorde

Nach einer erholsamen Nacht und einem reichhaltigen Frühstück auf dem Campingplatz Borðeyri fuhr ich auf der Straße 68 entlang der Küste weiter Richtung Hólmavík. Der Streckenabschnitt war immer wieder sehr bergig. Die wilden Strände und Bauernhöfe entlang der meist unbefestigten Straße waren eine gute Einstimmung auf die nächsten Tage in Islands Westfjorden.
Die Westfjorde sind eine der spektakulärsten Regionen Islands. Es gibt dort nur wenige, kleine Siedlungen, die weit verstreut in unberührter Natur und dramatischer Landschaften liegen. Wegen des Ausmaßes und der großen Entfernung von anderen Sehenswürdigkeiten sind Islands Westfjorde viel weniger besucht als andere Teile des Landes.
Abends kam ich auf dem Campingplatz in Hólmavík an. Nach dem Essen entspannte ich mich im Hot- Pot des Schwimmbads in Hólmavík. Am darauf folgenden Morgen deckte ich mich im Supermarkt in Hólmavík mit Lebensmittel ein, da es auf dem weiteren Weg bis Ísafjörður (ca. 250 km) keine Einkaufsmöglichkeiten mehr gab. Mit meinem schwer beladenden Drahtesel ging es auf der Straße 61 und 635 über Stock und Stein weiter. Bei Nauteyri traf ich an einer Kirche zwei Isländer. Sie boten mir einen Zeltplatz und die Nutzung ihrer privaten heißen Quelle an. Das Angebot nahm ich natürlich dankend an. Das warme Wasser der heißen Quelle war nach einem anstrengenden Tag auf dem Sattel mit eisigen Temperaturen eine Wohltat.
Die Westfjorde sind bei gutem Wetter ein wahres Traumziel für Radler. Die einzelnen Fjorde bieten unbeschreibliche Foto- Motive. In den darauf folgenden Tagen fuhr ich an insgesamt 7 Fjorden immer Ein- und auswärts entlang der schroffen Küste weiter. Unterwegs gab es außer vereinzelten Gehöften nur wilde und unberührte Natur und jede Menge Schafe. Autos trifft man in den Westfjorden nur sehr selten an. Die Wildcampingspots waren genial.
In den Westfjorden musste ich gegen den stärksten Gegenwind während meiner gesamten Reise ankämpfen. Fjord einwärts war der Wind so heftig, dass ich nicht schneller als 10 Km/h vorankam. An einem Morgen blies der Wind mein Zelt sogar komplett um, während ich gemütlich Kaffee trank. Ein Gewinde an meiner Zeltstange wurde dadurch beschädigt.
Auf einem gemütlichen Campingplatz außerhalb der Stadt Ísafjörður konnte ich nach mehreren Tagen in der Wildnis endlich wieder heiß duschen. Auf dem Campingplatz gibt es zudem einen schönen Aufenthaltsraum zum kochen und relaxen. Ich legte dort einen Ruhetag ein und traf Lisa aus Österreich. Sie machte einen mehrwöchigen Backpack- Trip durch Island.
Nach einem erholsamen Ruhetag in Ísafjörður ging es für mich am nächsten Morgen weiter. Außerhalb von Ísafjörður fuhr ich durch ich durch zwei 6 und 9 Kilometer lange Tunnels auf die andere Seite der jeweiligen Fjorde. Die Aussicht unterwegs war wieder atemberaubend.
Abends erreichte ich den Dynjandi Wasserfall. Er ist 100 m hoch und breit aufgefächert. Das tosende Wasser hört man schon aus weiter Entfernung. Leicht unterhalb des Wasserfall folgen noch fünf kleinere Wasserfälle. Das Gebiet am Dynjandi Wasserfall ist ein Naturschutzgebiet. Nur Radfahrer und Wanderer dürfen hier ihr Zelt aufschlagen.

Vom Dynjandi radelte ich am nächsten Morgen auf der Str. 60 weiter Richtung Hellulaug. Der Weg führte über eine wilde Erdpiste. Dabei waren mal wieder ca. 1.000 Höhenmeter zu überwinden. Die wenigen Autofahrer unterwegs feuerten mich an und verpflegten mich mit Wasser und Vesper.

Nachmittags ging es nach einer Pause im Nature Hot Pot in Flókalundur weiter nach Brjánslækur. Von dort aus fährt eine Fähre von den Westfjorden auf die Halbinsel Snæfells. Die Fahrt von Brjánslækur nach Stykkishólmur dauert ca. 2 ½ Stunden.

An den beiden darauf folgenden Tage fuhr ich auf der Str. 54 von Stykkishólmur nach Borgarnes. Die Halbinsel Snæfells ist ebenfalls sehr empfehlenswert zum radeln. Allerdings ist dort wieder deutlich mehr Verkehr als in den Westfjorden auf den Straßen anzutreffen. In Borgarnes entschied ich mich aufgrund der schlechten Wetterlage im Südwesten Islands für eine lange Busfahrt auf die andere Seite Islands Richtung Ostfjorde. Ich nahm hierzu den Bus nach Akureyri.

In Akureyri gönnte ich mir nach 55 Übernachtungen im Zelt in Folge das erste Mal ein Hotel. Das Gefühl nach so einer langer Zeit in einem weichen Bett zu liegen ist unbeschreiblich. Da ich den gleichen Weg von Akureyri nach Möðrudal bereits vor einigen Wochen geradelt bin, verzichtete ich aus Zeitgründen auf eine erneute Fahrt mit dem Rad und nahm einen weiteren Bus.

Wie es auf meiner Reise weiterging, erfährst du in meinem nächsten Beitrag zu den Ostfjorden.

Fagradalsfjall – Island 2021 (Teil IX)

Fagradalsfjall – Island 2021 (Teil IX)

Fagradalsfjall

Nachdem ich mich im örtlichen Hot- Pot des Schwimmbads in Hella ausgiebig entspannt hatte, radelte ich Mittags mit meinem Rad auf der Ringstraße nach Sellfoss. Von dort ging es auf der Str. 34 nach Þorlákshöfn. In Þorlákshöfn gab es einen kleinen Campingplatz, auf dem ich die Nacht verbrachte. Am nächsten Tag fuhr ich auf der Halbinsel Reykjanes weiter in Richtung Grindavik. Das Wetter zeigte sich von seiner launischen Seite. Der Wind wehte aus sämtlichen Richtungen und es war zeitweise schwierig das Rad auf der Straße zu halten. Die Landschaft an der Küste der Halbinsel Reykjanes ist sehr vulkanisch geprägt. Ich fuhr mehrere Stunden entlang endlos wirkender Lavafelder. Nachmittags erreichte ich den Ausgangspunkt für die Wanderung zum Vulkan Fagradalsfjall. Da der Vulkan an diesem Tag keine Aktivitäten zeigte, beschloss ich weiter nach Grindavik zu fahren. Grindavik ist ca. 10 Kilometer vom Vulkan Fagradalsfjall entfernt. Dort baute ich auf dem örtlichen Campingplatz mein Zelt auf und wartete auf einen erneuten Ausbruch des Vulkans. Ich erkundete das kleine Städtchen und schlenderte am Hafen entlang. Am Hafen in Grindavik gibt es ein sehr uriges Café mit einer sehr leckeren Lobster- Suppe.

Immer wieder schaute ich auf die Webcams am Vulkan und auf die Seite des isländischen Wetterdienstes und hoffe auf einen Anstieg des Tremor. Spät Abends stieg die Kurve auf dem Tremor nach einigen Tagen stillstand endlich wieder an. Wenn die Kurven steigen, kündigt sich eine Eruption an. Das bedeutete eine kurze Nacht für mich. Ich stelle meinen Wecker auf 4 Uhr Morgens. Im ersten Morgengrauen schwang ich mich auf mein Rad und fuhr die 10 Kilometer vom Campingplatz zum Vulkan. Am Horizont konnte man bereits das Leuchten der Lava im rot erhellten Nachthimmel sehen. Mein Rad stelle ich am provisorischen Wanderparkplatz ab.

Auf der Website von safetravel.is gibt es eine gute Karte mit den verschiedenen Wegen zum Vulkan. Ich entschied mich für den Weg C über den Bergrücken des Langihryggur. Dies ist der Weg östlich des Lava-Feldes. Nach mehreren steilen Anstiegen und Abstiegen geht es immer näher an den Vulkan und in Richtung des Meradalir Tales. Der Weg ist ca. 5 Kilometer weit. Nach ca. 2 Stunden erreichte ich den Aussichtspunkt.

Ich baute meinen kleinen Campingstuhl am Gipfel des Aussichtspunkt auf und genoss den Ausblick auf das Naturspektakel mit einer Tasse Kaffee aus erster Reihe. Die Eruption wurde in den folgenden Stunden immer stärker. Das war eindeutig einer der eindrucksvollsten Ausblicke meines Lebens.

Nach 10 Stunden auf dem Aussichtspunkt machte ich mich Nachmittags wieder auf den Rückweg. Unterwegs machte ich einen Abstecher zum Lava- Feld im Natthagi-Tal. Man sollte das erkaltete Lavafeld keinesfalls betreten, da es in der Regel noch unterirdische Lava-Ströme gibt, die ca. 1.000°C heiß sind. Vom Parkplatz radelte ich zurück nach Grindavik und verbrachte eine weitere Nacht auf dem Campingplatz.

Am nächsten Tag ging es auf der Straße 43 und 41 nach Reykjavík. Mein nächstes Ziel waren Islands Westfjorde. Ich beschloss ein Stück der Ringstraße mit dem Bus zu überbrücken. Die Ringstraße im Großraum Reykjavík sollte man als Radler meiden, da diese viel zu stark befahren ist. Ich fuhr mit dem Bus bis Befröst und radelte von dort auf der Ringstraße weiter bis Staðarskáli. Dort bog ich auf die Straße 68 ab. In der Abenddämmerung erreichte ich einen kleinen Campingplatz in Borðeyri. Wie es auf meiner Reise weiterging, erfährst du in meinem nächsten Beitrag zu Islands Westfjorden.

Thorsmörk – Island 2021 (Teil VIII)

Thorsmörk – Island 2021 (Teil VIII)

Thorsmörk

Nach einem Ruhetag in Höfn beschloss ich mit dem Bus an der Südküste nach Hella zurückzufahren. Ich wollte als nächstes nach Thorsmörk und Landmannalaugar. Das nach dem nordischen Gott Thor benannte Naturschutzgebiet Thorsmörk ist mit seinen fantastischen Landschaften ein echtes Paradies für Wanderer. Bei langen Reisen ist mir Abwechslung sehr wichtig. Ich kombiniere meine Radtouren gerne mit Wanderungen und Sightseeing.

Abends kam ich nach einer mehrstündigen Busfahrt schließlich in Hella an. Ich ging in den örtlichen Supermarkt, um mich mit Lebensmittel für die nächsten Tage einzudecken. In Thorsmörk gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten. Im Supermarkt traf ich zufällig Frank aus Rommelshausen wieder. Ich hatte ihn bereits vor einigen Wochen am Mývatn kennengelernt. Er war bereits seit zwei Monaten auf Radtour durch Island. Frank schloss sich mir spontan an.

Nach einer Übernachtung auf dem örtlichen Campingplatz in Hella fuhren wir am nächsten Tag auf der Ringstraße und auf der Hochlandpiste F249. Die Hochlandpiste F249 bestand hauptsächlich aus Wellblechpiste und vielen Steinen. Auf dem Weg passierten wir ca. 15 Furten. Die meisten davon waren klein und einfach zu durchfahren. Die letzten beiden Furten waren sehr tief. Diese kann man nur mit einem guten 4×4 Jeep, Hochlandbus oder auf einer mobilen Fußgängerbrücke queren. Die gefährliche Strömung der Krossá sollte man keinesfalls unterschätzen. Nachmittags kamen wir schließlich in Thorsmörk an.

Es gibt vor Ort drei Campingplätze (Húsadalur, Langidalur und Basar). Wir entschieden uns für den zentral liegenden Campingplatz Langidalur. Es gibt dort auch eine Wanderhütte zum übernachten. Es war einer der schönsten Campingspots meiner Reise. Das Wetter war an diesem Tag mal wieder traumhaft. Ich hatte an der Südküste in den beiden Wochen zuvor bereits riesiges Glück mit dem Wetter gehabt. Die Südküste in Island ist eigentlich für ihr wechselhaftes und eher regnerisches Wetter bekannt.

Nachdem wir unsere Zelte aufgebaut hatten, unternahmen wir eine kürzere Wanderung zum Aussichtspunkt Valahnúkur. Die Wanderung beginnt direkt an den Hütten von Langidalur. Der Weg ist gut beschildert. Er führt bergauf durch einen lichten Birkenbestand. Den Gipfel auf 450 Metern erreicht man nach ca. 1 Stunde. Der Blick über das Flusstal der Krossá und der umgebenden Gletscher Eyjafjallajökull und Tindfjallajökull sucht seinesgleichen.

Der Eyjafjallajökull ist zuletzt im Jahr 2010 ausgebrochen. Eyjafjallajökull ist sowohl der Name des Gletschers als auch des Vulkan-Systems, dass von diesem Gletscher bedeckt ist. Der Ausbruch des Eyjafjallajökull hatte über Island hinaus großräumige Auswirkungen. Insbesondere musste im April 2010 auf Grund der ausgetretenen Vulkanasche der Flugverkehr in weiten Teilen Europas eingestellt werden.

Am nächsten Tag stand eine weitere Wanderung auf dem Programm. Die Tindfjöll- Umrundung ist eine empfehlenswerte Tageswanderung in Þórsmörk. Sie verläuft auf einem kleinen Stück entlang des Laugavegur. Die Tindfjöll Wanderung ist ca. 13 km lang und man überwindet dabei ca. 350 Höhenmeter. Wir haben ca. 4- 5 Stunden für die Wanderung benötigt. Leider war es an dem Tag ziemlich neblig. Insofern war die Aussicht am höchsten Punkt der Wanderung nicht so gut wie an schönen Tagen.

Nach einer weiteren Übernachtung auf dem Campingplatz Langidalur wanderte ich mit Frank am nächsten Tag entlang eines Flusstals. Die Aussicht war wieder bombastisch. Das Flusstal könnte eine Filmkulisse von dem Film „Herr der Ringe“ sein.

Weitere sehr empfehlenswerte Tageswanderungen in Thorsmörk sind die Wanderungen zur Schlucht Stakkholtsgjá und über den Bergkamm Útigönguhöfði.

Abends ging es im Hochlandbus zurück nach Hella. Am darauf folgenden Tag verabschiedete ich mich von Frank. Er fuhr weiter Richtung Reykjavik zum Flughafen.

Ich entspannte mich nach dem Frühstück in Hella im örtlichen Hot-Pot des Schwimmbads und plante meinen weitere Route. Da für die von mir ursprünglich geplante nächste Region „Landmannalaugar“ mehrtägige Regenschauer angesagt waren, entschloss ich mich für eine andere Fahrtrichtung. In Island sollte man seine Radtour nach Möglichkeit immer an die Wetterlage anpassen und möglichst flexibel sein.

Mein nächstes Ziel war der Vulkan Fagradalsfjall auf der Halbinsel Reykjanes. Mehr dazu erfährst du in meinem nächsten Blogbeitrag.

Islands Süden – Island 2021 (Teil VII)

Islands Süden – Island 2021 (Teil VII)

Südküste

Nach dem Aufenthalt auf den Westmännerinseln erreichten Kerstin, Frank und ich Abends den Seljalandsfoss. Das besondere am Seljalandsfoss ist, dass man hinter den Wasserfall gehen und durch die Wasserschleier blicken kann. Besonders empfehlenswert ist ein Besuch in den Abendstunden.
Etwa 600 Meter nördlich liegt der Gljúfrabúi Wasserfall. Man läuft hierzu durch eine kleine Schlucht. Der Gljúfrabúi stürzt aus 40 Meter Höhe in die Schlucht hinunter und ist ebenfalls sehr sehenswert. Neben den Wasserfällen befindet sich ein kleiner Campingplatz.

Am nächsten Morgen verabschiedete ich mich von Frank und Kerstin. Die beiden fuhren weiter Richtung Flughafen. Ihr nächstes Ziel ist Mexiko. Ich selbst setzte meine Fahrt auf der Ringstraße zum Skógafoss fort. Unterwegs traf ich Carlos aus Kolumbien. Er ist bereits seit 2 Jahren auf Fahrradweltreise. Nachmittags kam ich am Skógafoss Wasserfall an. Der Skógafoss hat eine Breite von 25 Metern und stürzt 60 Meter in die Tiefe. Ich baute mein Zelt am nahe gelegenen Campingplatz auf. Beim Campingplatz gibt es auch ein sehr gutes Restaurant.

Der Skógafoss ist der Ausgangspunkt der beliebten Wanderung auf dem Fimmvörðuháls Richtung Þórsmörk. Auf den ersten Kilometern bin ich entlang des Wanderwegs an insgesamt 25 Wasserfällen vorbeigekommen. Nach ca. 7 Kilometern ging es auf dem gleichen Weg zurück zum Campingplatz am Skógafoss.
Nachdem ich am nächsten Tag lange ausgeschlafen hatte, radelte ich auf der Ringstraße weiter Richtung Vík í Mýrdal. Unterwegs habe ich am Sólheimasandur Parktplatz einen Halt eingelegt. Der Parkplatz ist der Ausgangspunkt für den Weg zu einem alten Flugzeugwrack.
Ich versteckte meine Packtaschen im Gebüsch und fuhr auf dem Wanderweg ca. 4 km durch eine karge Steinwüste zum Flugzeugwrack. Die Sonne brannte vom Himmel und der Wind peitschte mir ins Gesicht. Der Weg bestand aus viel Wellblechpiste und großen Steinen. Trotz allem bin ich um einiges schneller als die vielen Wanderer vorangekommen. Nach 20 Minuten erreichte ich das alte Flugzeugwrack. Am 21. November 1973 wurde die Maschine der US Navy in eisiger Kälte und Nebel ein Opfer des isländischen Wetters. Der Pilot konnte die Maschine notlanden, ohne dass eines der Besatzungsmitglieder verletzt wurde.

Nach einigen Fotos und einer kurzen Pause fuhr ich den gleichen Weg zurück und setzte meine Fahrt auf der Ringstraße fort.

Mein nächstes Ziel war der Reynisfjara. Es handelt sich hierbei um einen der bekanntesten Strände mit schwarzem Sand auf der Welt. Reynisfjara war zudem ein Drehort von der Serie „Game of Thrones“. Der Andrang an Besuchern war dementsprechend groß. An dem Strand befinden sich auch sehr beeindruckende Basalsäulen. Ich unternahm einen gemütlichen Strandspaziergang und stärkte mich anschließend im Strandrestaurant. Abends erreichte ich Vík í Mýrdal. Dort gibt es einen Campingplatz mit einer tollen Zeltwiese.
Am nächsten Tag ging es weiter Richtung Kirkjubæjarklaustur. Die Landschaft war geprägt von endlosen Lavafeldern. Die Weitsicht war unbeschreiblich. Ich konnte bereits am Horizont die 100 km entfernten Gletscherzungen des Vatnajökulls sehen. Der Vatnajökull ist der größte Gletscher Europas. Seine Fläche beträgt rund 8.100 km², was etwa 8 % der Fläche Islands entspricht.
Unterwegs bin ich auf der Straße F206 zum Fjaðrárgljúfur Canyon abgebogen. Die Schlucht ist an einigen Stellen bis zu 100 Meter tief und hat eine Länge von etwa zwei Kilometern.
In Kirkjubæjar traf ich Abends Isabelle wieder. Wir erzählten uns die Erlebnisse der letzten Wochen. Nach einer Nacht unter den Sternen ging es Richtung Skaftafell weiter. Skaftafell ist ein Wildnisgebiet in Islands Vatnajökull- Nationalpark. Zu seinen imposanten Gletschern gehören unter anderem der Skaftafellsjökull und der Svínafellsjökull. Unterwegs bot sich ein toller Ausblick auf den Foss a Sidu- Wasserfall. Am Wegesrand sah ich immer wieder Islandponys am grasen. In Skaftafell gibt es einen großen Campingplatz mit einer guten Infrastruktur. Ich beschloss dort gleich zwei Übernachtungen zu buchen.
Am nächsten Tag habe ich eine Tageswanderung im Nationalpark unternommen. Es gibt dort mehrere schöne Wanderrouten. Eine Wanderkarte gibt es bei der Touristeninformation vor Ort. Ich habe mich für eine 20 km Rundwanderung entschieden. Die Tour zum Kristínartindar ist bei schönem Wetter sehr empfehlenswert und gehört zu den Beliebtesten in Island. Der Weg auf der Ostseite des Berges führte durch einen schönen Birkenwald bergauf und ging nach der Baumgrenze in eine Heidelandschaft über.
Man hat auf der Ostseite des Berges bei klarem Wetter einen tolle Aussicht auf die Gletscherzunge des Skaftafellsjökull. Unterwegs zum Gipfel führt der Weg über weite Geröllflächen. Auf dem Gipfel des Kristínartindar auf 1.126 m hatte ich einen tollen Rundblick auf den gesamten Nationalpark. Der Rückweg auf der Westseite führte durch eine schöne Heidelandschaft mit Aussicht auf das Flusstal Morsárdalur. Kurz vor dem Ende der Rundwanderung bin ich noch am Svartifoss- Wasserfall vorbeigekommen.

Nach einem guten Frühstück schwang ich mich am nächsten Morgen wieder auf mein Rad und fuhr auf der Ringstraße weiter zu der Gletscherlagune Fjallsárlón.
Fjallsárlón ist ein Gletschersee am südlichen Ende des isländischen Gletschers Vatnajökull. Er liegt ca. 25 km von Skaftafell. Gleich neben dem Fjallsárlón befindet sich die Jökulsárlón Gletscherlagune. Das ruhige, blaue Wasser mit den Eisbergen ist malerisch schön. Man kommt sich vor als wäre man am Nordpol gelandet. Im Wasser habe ich viele Robben gesehen.

Gleich neben der Jökulsárlón Gletscherlagune befindet sich auch der Diamond Beach. Es handelt sich um einen schwarzen Vulkansandstrand, wo die Eisberge aus der Jökulsárlón Lagune an Land treiben und einen magischen Ort erschaffen. Die blauen, weißen und durchsichtigen Eisberge liegen am Strand und sehen auf dem schwarzen Vulkansand wie Diamanten aus.
Abends habe ich mein Zelt beim Guesthouse Gerði aufgeschlagen. Am nächsten Tag ging es weiter nach Höfn. In der Stadt Höfn gibt es einige gute Restaurants und ein schönes Schwimmbad mit Hot- Pots und Sauna.

Wie es auf meiner Reise weiterging, erfährst du in meinem nächsten Beitrag zu Þórsmörk.

Vestmannaeyjar – Island 2021 (Teil VI)

Vestmannaeyjar – Island 2021 (Teil VI)

Vestmannaeyjar

Nach meinem Ruhetag in Selfoss habe ich am nächsten Morgen mit zwei Deutschen im Aufenthaltsraum des Campingplatz gefrühstückt. Die Beiden erzählten mir von ihrer bisherigen Tour durch Island und empfohlen mir einen Abstecher auf die Westmännerinseln. Nachdem ich einige Bilder der Westmännerinseln gesehen hatte, stand mein nächstes Ziel fest.

Ich schwang mich auf meinen Drahtesel und radelte auf der Ringstraße weiter Richtung Hella. Der Verkehr war Anfangs ziemlich nervig. Manche Autofahrer halten einfach viel zu wenig Abstand!

Nach einer kurzen Mittagspause in Hella fuhr ich von der Ringstraße ab. Es ging weiter auf den ruhigen Nebenstraßen 255, 252, 253 in Richtung Fähre. Die Fähre Richtung Westmännerinseln fährt in Landeyjahöfn ab. Sie fährt mindestens 4x am Tag. Die Zeiten variieren je nach Monat. In der Hauptsaison fährt die Fähre auch öfter. Auf den letzten Kilometern legte ich einen Sprint ein, um die nächste Fähre noch rechtzeitig zu bekommen. Der Gegenwind machte mir das Ganze nicht gerade einfach. In letzter Minute erreichte ich den Hafen und fuhr mit meinem Rad aufs Deck. Die Überfahrt nach Heimaey dauert ca. 35 Minuten und ist sehr schön.

Die Vestmannaeyjar ist eine Inselgruppe vulkanischen Ursprungs südlich der isländischen Küste, die aus 14 Inseln, 30 Schären und 30 Felsen bestehen. Heimaey ist die einzige besiedelte Insel. Nach der Ankunft am Hafen fuhr ich durch das kleine Städtchen zum Campingplatz. Es war einer der schönsten Campingplätze auf meiner Reise. Abends habe ich Kerstin und Frank wieder getroffen. Die Beiden hat es bereits einen Tag zuvor hierher gezogen.

Am nächsten Mittag habe ich eine Wanderung auf den Heimaklettur unternommen. Der Berg beheimatet die größte Papageientaucher- Kolonie Islands. Die Chancen die süßen Papageientaucher zu sichten sind während der Saison sehr gut. Die Wanderung startet direkt hinter dem Campingplatz. Von dort aus führt ein gut befestigter Weg auf den 283 Meter hohen Heimaklettur. Der Weg ist ziemlich steil. Unterwegs sah ich unzählige Papageientaucher und einige andere Vogelarten.

Oben bin ich links abgebogen und folgte dem Bergrücken. Die Aussichten auf Heimaey und das blaue Meer sind spektakulär. Danach ging es rechts entlang in Richtung Hafen. Die Wege sind teilweise etwas wackelig, nicht gesichert und rutschig. Der Weg endet unten in der Stadt nahe des Hafens. Für die Wanderung benötigt man ca. 2 Stunden.

Eine weitere Möglichkeit für eine Wanderung auf Heimaey ist der Vulkan Eldfell. Man startet am besten vom Hafen aus zum Wanderweg auf den Eldfell. Von oben hat man eine tolle Sicht über die gesamte Insel. Nebenan befindet sich der Vulkan Helgafell. Dieses kann man ebenfalls besteigen.

Der Vulkan Eldfell ist am 23. Januar 1973 wie aus dem Nichts ausgebrochen. Die Lava zerstörte damals viele Häuser auf der Insel. Alle Menschen mussten mit Schiffen innerhalb von Stunden evakuiert werden und konnten erst Monate später zurück auf die Insel.

Am darauf folgenden Tag bin ich mit Kerstin und Frank zum Mittagsessen in ein Restaurant am Hafen von Heimaey gegangen. Dort gab es ein sehr leckeres Mittagsbuffet. Danach fuhren wir mit der Fähre von den Westmännerinseln zurück ans isländische Festland nach Landeyjahöfn. Bei der Hafeneinfahrt bot sich der seltene Ausblick auf Wale.

In Landeyjahöfn verweilten wir kurz an dem schönen Strand. Danach setzten wir gemeinsam unsere Fahrt auf der Str. 254 zum Wasserfall Seljalandsfoss fort.

Wie es auf meiner Reise in Island weiterging, erfährst du in meinem nächsten Artikel zu Islands Südküste.